Musikhaus City Sound
.:.: Home :.:..:.: Impressum :.:..:.: Musiklinks :.:..:.: Schwarzes Brett :.:..:.: Magazin :.:. Deutsch English
 
Rubriken
 
Suche
Roy Benson TR-202 Bb-Trompete, Student Pro Series
Roy Benson TR-202 Bb-Trompete, Student Pro Series
275,00 EUR
219,00 EUR

inkl. 19 % MwSt
inkl.
Info & Service
Login
eMail-Adresse:

Passwort:


Passwort vergessen?
Ihre Meinung
Vermissen Sie ein Produkt? Gefällt Ihnen etwas nicht oder auch besonders gut? Ihre Meinung ist gefragt und auch gern gesehen.

Magazin

Sam Molineaux - Die "Impossible Guitar" des Steve Vai

29.07.2008
Als einer der originalen 1980er „Shredder“ ein Titel verliehen an eine kleine Gruppe virtuoser Metal-Gitarristen, unter Ihnen Vai, sein ehemaliger Lehrer Joe Satriani und der schwedische neo-klassische Gitarrist Yngwie Malmsteen – war Steve Vai kaum aus dem Teeniealter heraus, als er bereits einen eigenen, blasenverursachenden Stil entwickelte, der viele vor Ehrfurcht erstarren ließ. Nicht einer der Unbekanntesten war Frank Zappa, der Vai für seine Band während der 80er und frühen 90er engagierte.

Als ehemaliger Schüler des Berklee College of Music, war Vai das heißeste Eisen in der Metalszene der 80er, und wurde durch Bands wie Graham Bonnett’s Alcatrazz, die David Lee Roth Band, Whitesnake, Alice Cooper und zahlreiche andere Bands, die ihn als Geheimwaffe buchten, durchgereicht. Gleichzeitig bastelte er an einer eigenen eindrucksvollen Karriere mit einer Reihe umjubelter Solo-Alben.

Sein 1990 erschienenes Instrumentalalbum „Passion and Warfare“ ist anerkannt als eines der Meisterwerke der E-Gitarre, und unterstreicht sowohl seinen kompositorischen Mut, als auch seine übermenschliche Technik auf sieben Saiten. Und sein jüngstes Studioalbum, UltraZone von 1999, hebt den Ausdruck Vielseitigkeit auf ein anderes Level, und zollt Tribut an Stevie Ray Vaughan und Frank Zappa, fügt aber auch eigene akustische Texturen hinzu und featured auch seine ausdrucksvolle Stimme.

Es ist interessant anzumerken, dass von den vielen heißen Gitarristen der späten 80er und frühen 90er Jahre, nur sehr wenige ihren Stil erfolgreich für eine musikalische Post-Nirvana Landschaft verändern konnten. Diese Fähigkeit sich auf musikalische Klimaveränderungen einstellen zu können, machte ihn immer einzigartiger. Er mäßigte die Pyrotechnik und frönte in den 90ern seiner Leidenschaft für neues musikalisches Terrain. Auf seinem neuesten Album „Alive In An Ultra World“ ein animiertes Dokument seiner 2000 Tour, die an weit verstreuten Locations rund um den Globus aufgenommen wurde – erreichte Vais musikalische Wissbegierde ihren Höhepunkt. Nicht nur das dieses Album die vielen Seiten Vais musikalischer Persönlichkeit und seiner waghalsigen Gitarrenvirtuosität zeigt, es bietet dem Hörer eine Auswahl kultureller Einflüsse, wahrgenommen durch die Augen und Ohren eines der vielseitigsten Rockmusiker.

„Ich erforschte die Musik und die Werke der verschiedenen Kulturen als ich vor Ort war“, erklärt Vai sein neues doppelseitiges Werk in einer Probenpause seiner kommenden G3 Tour. 

„Das Konzept bestand darin, die Songs an exotischen Plätzen aufzunehmen, und die Musik die Gegend, in der sie aufgenommen wurde, reflektieren zu lassen. Wir haben Aufnahmen aus Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Japan, Australien, Irland, Italien, Deutschland, Süd Amerika... wir machten jeden Tag vier bis fünfstündige Soundchecks, probten und nahmen die Songs oft auch gleich auf. Als Ergebnis hast du, wenn du das Album in der Hand hältst, etwas das 32 Länder rund um die Welt repräsentiert.“

Mit dieser ambitionierten Realisation eines wirklich visionären Konzeptes, setzt Alive In An Ultra World Vai’s Faszination der kreativen Prozesse in der Tiefe der menschlichen Psyche – ein Platz den er die “Ultra Zone“ nennt – fort.

„Es ist ein Geisteszustand. Der kreative Teil des Gehirns, der unglaubliche Moment der Konzentration, bei dem man von nichts abgelenkt wird, wenn wir unsere besten Ideen und einzigartigen Visionen bekommen,“ erklärt er seine persönliche Motivation hinter der ungewöhnlichen Entwicklung des Albums. Das ist auch der Grund dafür, dass er neue Songs auf einer Kanalfähre schrieb, wie das England inspirierte „Blood And Glory“; oder überwältigt von der Schönheit Dublins mitten in der Nacht bei „Whispering A Prayer“; oder dieser 15-minütige Blitz der Inspiration in Warschau, aus dem der treibende Opener des Albums „Giant Balls Of Gold“ wurde.

Nach der Rückkehr von seinem 104-tägigen globalen Abenteuer, machte sich Vai ans Editing des Albums. Die Arbeit fand komplett in seinem speziell gebauten Aufnahme- und Probenstudio, eine aus zwei Räumen bestehende digitale Höhle, im Garten seines Hauses in Encino statt. Als Erweiterung seines professionellen Studios in Hollywood, ist Vais sogenannte „Harmony Hut“ der Ort, an dem er seine teure Gitarrensammlung und seine lebenswichtigen Outboard Geräte aufbewahrt – einschließlich seiner Sammlung von BOSS Compact Pedals und seines Roland GR-33 Synthesizers und des VG-88 V-Guitar Systems.

Am Tage unseres Interviews, erhielt ein verbeultes und zerkratztes BOSS DS-1 Distortion Pedal seine rituellen Tritte, wie fast jeden Tag.

„In jedem einzelnen Song meines neuen Albums benutze ich das BOSS DS-1 Distortion Pedal – es war immer dabei,“ verrät Vai, und stöpselt die kleine Kiste ab, ohne sie aus den Augen zu verlieren. Sie ist ein wichtiger Teil seines akustischen Arsenals, denn Distortion ist ein Soundeffekt bei dem Vai unerbittlich gegenüber Kompromissen ist.

„Bevor ich mir das DS-1 zulegte, ging ich einen Music-Shop und habe bestimmt 20-30 verschieden Distortion Pedale probiert. Ich verbrachte Stunden damit, auf jedes der vor mir liegenden Pedale zu treten und mir den Sound anzuhören. Ich las monatelang alle Gitarrenmagazine und bestellte und kaufte mir jedes einzelne Distortion Pedal, das ich finden konnte. Ich hatte sogar Leute, die mir eigene Pedale bauten. Ein ganzer Raum ist voll damit, und das DS-1 ist das Einzige, das ich benutze. Es ist eine gewisse Romantik mit diesen kleinen Pedalen verbunden...es ist dieses Gefühl, was du beim Hören bekommst.“


   
Was gefällt dir am DS-1?    

„Es ist anwenderfreundlich, es ist beständig, es spricht mit dir, es verformt das Signal perfekt und es behält dabei den Druck, wie kein anderes“, behauptet er. „Alle anderen Pedale entwickeln so einen synthetisch klingenden Pseudo-Underground Druck, als wären die Tiefen künstlich. Ich weiß nicht , wie sie es in diesem kleinen Ding anstellen, aber es funktioniert, und ich kann kein anderes mehr benutzen.“

Zusammen mit dem DS-1 fettet Vai seinen Sound Live und im Studio mit einem DS-2 Turbo Distortion, einem CE-5 Chorus Ensemble und hin und wieder mit dem DD-5 Digital Delay (falls er nicht seinen Roland SDE-3000 im Rack benutzt) an.

„Ich benutze den SDE-3000 in meiner Ausrüstung, aber wenn ich irgendwo spiele und nicht viel Equipment mitnehmen will, greife ich mir immer das DD-5. Neulich spielte ich eine Session für [Regisseur, Filmkomponist] John Carpenter und kam mit meinem DD-5, dem DS-1, meinem Signature [Morley] Wah-Wah und dem CE-5 Chorus Pedal, das war’s. Es war das perfekte Setup.“

„Ich nehme das DD-5 immer mit auf Tour,“ fährt Vai fort, „falls ich in einer Radio Show oder so etwas spielen muss, und meine Ausrüstung nicht dabeihabe, denn Delay ist ein wichtiger Teil meines Sounds. Den BOSS TU-2 [Chromatic Tuner] benutze ich auch andauernd. Es ist wie mit einem Paar Stiefel, das man immer trägt – es fühlt sich mit der Zeit immer besser an, und wird irgendwann zu einem Teil von dir. Es gibt da einige Geräte an denen ich hänge, und die ich nicht missen möchte, und dieses ist eines davon. Ich achte darauf, dass jeder auf der Bühne diesen Tuner benutzt, denn sie sind alle mit einem Quarz kalibriert, und das macht es einfacher alles auf der Bühne in Tune zu behalten.“

Wenn man sich seine Ständer voller Ibanez-Gitarren ansieht – insbesondere sein geschätztes Modell, er nennt es ‚EVO’, das alle Narben einer Welttour trägt – merkt man, dass Vai einer der Musiker ist, die mit einem Gerät durch Dick und Dünn gehen, sobald er das Richtige gefunden hat. Trotzdem bleibt er offen für neue Technologien und scheut sich auch nicht, hin und wieder ein paar Neuigkeiten zu erforschen. Auf einer dieser Shopping Touren entdeckte er den Roland GR-33 Gitarrensynthesizer, eine Erweiterung für sein Studio und das Tor zu einer Menge neuer Möglichkeiten für den blitzschnellen Gitarren-Hero. Nachdem er früher schon dran gescheitert war, seine bundorientierten Fähigkeiten auf ein Midi-Keyboard zu übertragen, komponiert Vai heute alles mit der Gitarre. Er benutzt einen GK-2A Pickup und das GR-33 in Verbindung mit dem VG-88 und einem Roland S-760 Digital Sampler.
   
„Diese Teile haben echt mein Leben verändert, denn obwohl ich in meinem Kopf komponiere und für alle Instrumente des Orchesters schreibe, ist die Gitarre doch das einzige Instrument das ich spielen kann. Vorher, wenn ich Songs für meine Aufnahmen aufgebaut habe, musste ich das alles mit einem Keyboard in den Computer knallen, und das war ein sehr langwieriger Prozess. Aber seit ich mich mit diesen Geräten beschäftigte, hat sich alles verändert. Nicht nur das sie voller großartiger Sounds sind, auch das Tracking ist besser als ich es mir je vorstellen konnte. Es ist außergewöhnlich. Nun kann ich mit meiner Gitarre akkurate Midi Daten aufnehmen, und sie später mit jedem Sound, den ich haben will, abspielen.“

In letzter Zeit ist das Komponieren jedoch in den Hintergrund gerückt, weil Vai sich auf die Sommer-Tour mit seinen Guitar-Speed Kumpels Joe Satriani und John Petrucci von Dreamtheater vorbereitet. Ein Konzept, von dem Satriani seit 5 Jahren träumt und es G3 getauft hat; eine extreme Anbetung der Gitarre. Vai sprang 1996 auf den G3 Zug auf und feierte die erfolgreichste Tour des Sommers, während der ebenfalls das leidenschaftliche Live Album G3:Live In Concert geboren wurde, an seiner Seite Satriani und der Fusion Gitarrist Eric Johnson. Das diesjährige Event sollte genauso explosiv werden, jeder Gitarrist tritt für ein 45-minütiges Solo ins Rampenlicht gefolgt von einem elektrisierendem Finale mit allen drei Gs in göttlichem Glanz.

„Ich habe auf den G3-Touren immer eine tolle Zeit,“ begeistert sich Vai, den es offensichtlich juckt wieder On The Road zu gehen. „Es ist wie Urlaub. Auf schönen, großen Bühnen zu spielen und die gesamten Vereinigten Staaten im Sommer zu besuchen ist großartig. Außerdem spiele ich gerne mit Satriani, der nicht nur eine große Inspiration ist, sondern auch ein netter Kerl. Wir suchen immer nach Gelegenheiten, solche Dinge zu tun – es ist die Chance aus Zitronen Limonade zu machen.“

Aber so lange währt der Urlaub auch nicht. Er hat bereits eine Reihe von Projekten nach seiner Rückkehr geplant, unter anderem eine Sample CD, ein Ultra Zone Photo Buch, ein neues Studio Album, eine Musiktheaterstück, und sein lang angekündigtes 10-CD Box-Set. Überambitioniert? Im Gegenteil. Das ist der normale Job für 7-saitigen Stuntman, den Frank Zappa einst mit einem vollkommen angemessenem Begriff geehrt hat: ‚Impossible Guitar.’
von Sam Molineaux

Zurück