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Roland FP-80 Stagepiano
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Klaus Rohwer - Meine Mundharmonika-Tipps

10.02.2007
Bedienungsanleitung ansehen und herunterladen Zwei Hinweise, die man nicht oft genug wiederholen kann:

Mundharmonika vor dem Spielen anwärmen! Das kommt der Lebensdauer der Stimmzungen sehr zugute. Man macht das am besten mit der Hand. Will man mehrere Mundharmonikas gleichzeitig anwärmen, so geht das einigermaßen, indem man sie in die Hosentaschen steckt (wenn es nicht zu viele sind...). Man kann sie auch auf einen Heizkörper legen, der sollte aber vielleicht nicht zu heiß sein, aus naheliegenden Gründen... doch vertragen Mundharmonikas kurzzeitig höhere Temperaturen besser als Frost. Als ich noch in den Proben einen Röhrenverstärker benutzte, der auf der Oberseite schön warm wurde, legte ich meine Mundharmonikas darauf - das funktionierte recht gut. Jetzt verwende ich einen Transistorverstärker und habe mir für die Erwärmung meiner Mundharmonikas etwas Neues ausgedacht: einen elektrisch beheizbaren Koffer!

Nach dem Essen Zähne putzen! Das kommt nicht nur den Beisserchen zugute (ehrlich!), sondern auch den Mundharmonikas, die man hinterher spielt. Früher hatte ich öfter den Fall: wir spielten bei einer Feier, und die Band wollte "schnell noch mal eben bevor das Dessert serviert wird" ein paar Stücke spielen... prompt ging ein Ton auf meiner Bluesharp nicht mehr, weil ein Stückchen vom Hauptgericht unter einer Stimmzunge klebte.

Wartung und Pflege:

Reinigung: Nach einiger Zeit des Spielens wird Dir auffallen, dass sich an den Eingängen der Luftkanäle (bei diatonischen) bzw. in den Öffnungen des Mundstücks und des Schiebers (bei chromatischen Mundharmonikas) Ablagerungen bilden. Sie kommen zwar aus Deinem eigenen Speichel, haben aber doch auf die Dauer irgendwie eine ekelerregende Wirkung... Deshalb: saubermachen! Dazu kann man verschiedene Werkzeuge (siehe auch die folgende Abbildung) nehmen: Taschenmesser, Schraubendreher, Feile, Zahnstocher, Wattestäbchen mit oder ohne Wasser oder Spülmittellösung oder Isopropanol oder... manche schwören auf Zahnzwischenraumbürsten (sehen aus wie winzige Flaschenbürsten - gibt's im Fachgeschäft), aber die Dinger sind sehr teuer!


Meine Werkzeuge: Lösblättchen, Angel, Kratzer, Feile, Ventilkleber, Alkohol- und Silikonölfläschchen gehören zum Hohner-Reparatursatz, den auch dazugehörigen Schraubendreher habe ich durch einen ganzen Satz ersetzt und Hirschtalg sowie einen Zahnstocher hinzugefügt.


Bei chromatischen Mundharmonikas sollte man den Schieber vor der ersten Inbetriebnahme und nach jeder Reinigung einfetten, sonst geht er schwer und kann irgendwann ganz fest sitzen. Hohner liefert mit seinem Reparatursatz (siehe Bild oben!) ein Fläschchen Silikonöl zu diesem Zweck. Ich finde es eklig, man bekommt es kaum wieder von den Fingern weg, und es ist zu dünnflüssig, um lange zu wirken. Ich verwende Hirschtalg, wie er für andere Instrumente verkauft wird. Das Döschen ist zwar winzig, aber weil man immer nur ganz wenig braucht, reicht es fast ewig.

Zum Fetten mit Hirschtalg muss man das Mundstück, das das sogenannte Schieberpaket enthält, allerdings auseinander bauen. Das geht recht einfach - meist, indem man die beiden Schrauben an der Vorderseite löst - aber man sollte dabei aufpassen, wie es aufgegebaut war, damit man es hinterher auch wieder richtig zusammen bauen kann!

Meistens stecken auf den Schrauben auf der Innenseite des Mundstücks kurze Kunststoffröllchen, die man keinesfalls verlieren sollte. Sie dienen als Abstandshalter und als geräuschdämpfender Anschlag für den Schieber. Auch ist es keineswegs egal, ob man links und rechts oder oben und unten vertauscht! Beim Zusammenbau muss man außerdem darauf achten, dass hinterher alles wieder gerade und nicht schief sitzt. In einem gerade zusammengebauten Schieberpaket wird der (gefettete) Schieber auch bei fest angezogenen Schrauben nicht klemmen.

Wenn man will, kann man auch die Deckel der Mundharmonika putzen. Hohner liefert mit seinem Reparatursatz (siehe Bild oben!) ein Fläschchen Alkohol, mit dem man aber durch Handschweiß angelaufene Deckel auch nicht wieder in den Neuzustand versetzen kann. Wahrscheinlich kann man mit speziellen Metallputzmitteln, wie sie für andere "Blechinstrumente" verkauft werden, mehr ausrichten, aber das habe ich noch nicht probiert. Dazu sollte man dann aber die Deckel abbauen. Um es nochmals deutlich zu sagen: man sollte nicht davon zurück schrecken, seine Mundharmonika einmal auseinander zu schrauben! Es kann nicht schaden, wenn man weiß, wie sie von innen aussieht. Sehr interessant ist auch, sich mal im Spiegel anzuschauen, was geschieht, wenn man in eine Mundharmonika mit abgeschraubten Deckeln hineinbläst bzw. Luft hindurch zieht.

Stimmen:

Auch Mundharmonikas kann man und muss man manchmal stimmen. Das ist aber leider nicht so einfach wie bei einer Gitarre, und leider auch nicht beliebig oft wiederholbar, denn dazu muss man an den Stimmzungen herumfeilen! Daraus folgt schon, dass das nicht mal so eben schnell mal geht... Man sollte sich Zeit nehmen!

Entgegen weitverbreiteter Meinung kann man Stimmzungen nicht nur höher, sondern auch tiefer stimmen. Nimmt man an der Spitze etwas ab, klingt die Zunge höher, nimmt man dagegen an der Wurzel etwas ab, dann klingt die Zunge tiefer. Außerdem gibt es noch eine weitere Methode, eine Zunge tiefer zu stimmen, aber dazu später mehr...

Zum Stimmen braucht man mehrere Werkzeuge: (siehe Bild oben!) Schraubendreher(-satz), Feile, Kratzer, Lösblättchen; sind alle im Reparatursatz von Hohner enthalten. Außerdem ist es höchst sinnvoll, sich ein elektronisches Stimmgerät zuzulegen. Das muss kein teures mit Zeigerinstrument sein, ein preiswertes digitales tut es auch - innen sind sie sowieso alle digital. Aber es sollte ein "chromatisches" Stimmgerät sein, eins was nur für Gitarre und Bass geeignet ist, reicht nicht.

Zunächst mal nimmt man einen Schraubendreher, um die Deckelplatten zu lösen. Nicht alles, was wie eine Schraube aussieht, ist auch eine! Besonders bei älteren Modellen sind die Deckel aufgenagelt, aber mit Nägeln, deren Kopf wie ein Schraubenkopf aussieht (böse Falle!). Wenn man mit Drehen nicht weiter kommt, muss man dann einfach Hebeln. Dann kommt man schon mal an die außenliegenden Stimmzungen - das sind die, die beim Ziehen erklingen - heran. Um an die innenliegenden Stimmzungen - die für die Blastöne - heranzukommen, liefert Hohner mit seinem Reparatursatz (siehe Bild oben!) eine "Angel", mit der durch den Luftkanal hindurch die jeweilige Stimmzunge durch die Öffnung in der Stimmplatte nach außen biegen soll, um dann dort daran herum zu feilen. Von dieser Methode kann ich nur abraten! All zu leicht bricht die Stimmzunge dabei, in jedem Fall aber wird der Lösabstand (zwischen Zungenspitze und Stimmplatte) stark verändert, und die Stimmzunge muss nachher wieder zurück gebogen werden. Dabei kann sie sich aber wieder verstimmen... Es hilft nur eins: Die Stimmplatten müssen vom Kanzellenkörper gelöst werden. Wohl dem, der eine Mundharmonika mit verschraubten Stimmplatten hat. Da geht das nämlich ganz einfach mit dem Schraubendreher. Wer aber genagelte Stimmplatten hat, der muss mit einem scharfen Messer zwischen Kanzellenkörper und Stimmplatte die letztere etwas hoch hebeln, dabei heben sich die Nägelköpfe etwas, so dass man sie mit einer Zange zu fassen bekommen und herausziehen kann. Bei dieser Gelegenheit sollte man sich gleich überlegen, ob man nicht die Nägel durch Schrauben ersetzen will (siehe meinen Abschnitt über Umbau von Mundharmonikas).

Beim Stimmen selber fängt man zweckmäßigerweise mit der tiefsten Blaszunge an. Mit den Blaszungen deshalb, weil an die - wie oben geschildert - am schwersten heranzukommen ist und weil man deshalb auch nicht bei jeder Überprüfung des gestimmten Tones die Stimmplatte wieder festmachen kann. Man muss also - so gut es geht - beim Ausprobieren die Stimmplatte mit den Fingern auf den Kanzellenkörper pressen. Diese kraftraubende Arbeit sollte man zuerst hinter sich bringen. Mit der tiefsten Stimmzunge beginnt man, weil man da am wenigsten kaputt machen kann, denn die Materialmenge, die man für ein gegebenes Intervall mit der Feile abtragen muss, ist umso kleiner, je höher die Stimmzunge klingt. Wenn man sich dann von den tiefsten zu den höchsten Blastönen vorgearbeitet hat, wundert man sich, wieviel man beim tiefsten Ziehton wegfeilen muss... Nochmals zu den hohen Tönen: Vorsicht! Oft genügt schon ein Hieb mit der Feile, und die Stimmung ist ganz anders!

Zum Feilen schiebt man zwischen Stimmzunge und -platte ein sehr flaches Stück Blech, wozu sich das sog. Lösblättchen aus dem Hohner-Reparatursatz hervorragend eignet. Es sollte eigentlich klar sein, aber ich schreibe es trotzdem nochmal: Man feilt immer mit der Flachseite der Feile auf der Oberseite der Stimmzunge. Feilt man an der Zungenspitze, wird die schwingende Masse geringer und dadurch der Ton höher. Feilt man an der Zungenwurzel etwas ab, dann wird die Zunge dort dünner, die Elastizität nimmt zu, und der Ton wird tiefer. Wie schon angedeutet, kontrolliert man die Stimmung am besten nach jedem Bisschen Feilen mit dem Stimmgerät.

Besondere Vorsicht ist beim Feilen an der Zungenwurzel geboten: feilt man hier eine Kerbe hinein, dann kann die Stimmzunge dort leicht brechen. Also niemals mit der Kante der Feile feilen!!! Ich bevorzuge es beim Tieferstimmen, statt zu feilen, mit dem Kratzer aus dem Hohner-Reparatursatz zu arbeiten. Dabei schiebe ich Material von einer Stelle, die ein bis zwei Millimeter vom Zungenansatz entfernt ist, parallel zu Längskante in Richtung Niete. Dadurch wird die Stimmzunge an dieser Stelle auch etwas elastischer, ohne dass man Gefahr läuft, eine Kerbe in Querrichtung zu bekommen. Diese Methode erlaubt auch ein feinfühligeres Stimmen als mit der Feile und funktioniert auch bei Blaszungen ohne Abmontieren der Stimmplatten von außen durch die Stimmplatte hindurch. Das ist besonders vorteilhaft, wenn man Blastöne nur etwas tiefer stimmen möchte. Aber Vorsicht: nicht zu viel wegkratzen, sonst muss man die Stimmplatte doch noch abbauen, damit man wieder an der Zungenspitze feilen kann!

Wenn man Stimmzungen über größere Intervalle - einen Halbton- oder gar einen Ganztonschritt - tiefer stimmen möchte (z.B. für Sonderstimmungen), ist das Kratzen sehr zeitaufwändig und das Feilen nicht nur gefährlich, sondern ebenfalls zeitraubend, was einen leicht dazu verleitet, zwischen zwei Kontrollen immer mehr Material abzutragen - und schon ist man über den richtigen Punkt hinweg. Ich bediene mich dafür einer anderen Methode: Materialauftrag an der Zungenspitze, und zwar in Form von Lötzinn mit dem Lötkolben. Als ich das das erste Mal gesehen hatte (bei Sigi Naruhn auf dem World Harmonica Festival 1997), hat es mir fast körperlich weh getan, eine Stimmzunge derart traktiert zu sehen. Aber das Ergebnis rechtfertigt das Mittel: Die Zunge klingt hinterher nicht schlechter als vorher - nur tiefer. Man spart sich die Gefahr des Zungenbruches durch zu dünnes Material an der Zungenwurzel. Allerdings muss man dann noch die exakte Stimmung durch Abfeilen überschüssigen Lötzinns herstellen, doch das ist nicht schwer. Man muss allerdings aufpassen, dass das Zinn nur auf der Zungenoberseite sitzt; läuft es beim Löten an den Zungenkanten herunter, dann hat man verloren.

Lösen:

Nach dem Stimmen unabdingbar: Lösabstände einstellen! Man sagt dazu auch Lösen. Der Lösabstand ist der Abstand der Zungenspitze von der Stimmplatte. Er verändert sich zwangsläufig, wenn man an der Zunge herumfeilt oder -kratzt. Leider stimmen auch bei fabrikneuen Mundharmonikas die Lösabstände manchmal nicht und müssen nachjustiert werden. Auch bei alten Mundharmonikas, die längere Zeit auf dem Dachboden oder so gelegen haben, kann es sein, dass man die Lösabstände korrigieren muss, um sie wieder spielbar zu machen. Dazu muss man natürlich vorher die Deckel entfernen.

Eine Faustregel besagt, dass der Lösabstand ungefähr so groß sein sollte, wie die Dicke der Stimmzunge. Weil tiefere Stimmzungen dicker sind, brauchen sie größere Lösabstände als höhere Zungen. Man stellt den Abstand ein, indem man die Zunge vorsichtig!!! in die entsprechende Richtung biegt, z. B. mit dem Kratzer oder mit einem Zahnstocher. Wenn man den Lösabstand vergrößern möchte, kann man auch das Lösblättchen (daher der Name) aus dem Hohner-Reparatursatz (siehe Bild oben!) vorsichtig unter die Zunge drücken.
Man kann den Lösabstand aber auch individuell abweichend einstellen: geringerer Lösabstand bewirkt ein leichteres Ansprechen der Zunge schon bei geringem Blasdruck, kann aber dazu führen, dass sie klemmt, wenn man sie unvermittelt mit hohem Druck anbläst - dann gibt sie einfach gar keinen Ton von sich. Großer Lösabstand bannt diese Gefahr, allerdings spricht die Zunge dann auch erst bei viel Puste an. (Ausserdem hat man dann bei einer Mundharmonika ohne Ventile auch viel Luftverlust beim Spielen der anderen Zunge im selben Kanal.)

von Klaus Rohwer

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